Polarität in der Internationalen Politik

by nureinmartin

HANDBUCHARTIKEL

– Seminar Internationale Politik –

Thema: Polarität

In der Internationalen Politik beschreibt Polarität die Machtverhältnisse zwischen Staaten. Der Begriff kann in den Formen unipolar, bipolar, multipolar auftreten und verwendet neorealistische Ansätze zur Beschreibung von Szenarien.

In einer unipolaren Welt existiert ein einziger dominanter Staat, dessen Macht durch die Faktoren Militär, Wirtschaft, Technik, Geopolitik so überwältigend ist, dass er die führende und unangefochtene Rolle im Internationalen System einnimmt. William C. Wohlforth beschrieb 1999 eine unipolare Welt, in der die USA als einzig verbliebene Supermacht über allen anderen Staaten steht. Die Balance zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt ist so stabil zu gunsten der USA, dass theoretisch kein anderer Saat selbst mit Verbündeten dieses Verhältnis ausbalancieren kann.[1]

Eine andere Form von Balance zeigt sich im bipolaren Szenario. Hier existieren zwei Hauptakteure, die in den oben genannten Machtfaktoren ebenbürtig sind. Wie am Beispiel der Rivalität zwischen Sowjetunion und USA im Kalten Krieg deutlich wird, kann es durch Sicherheitsbedürfnisse anderer, schwächerer Staaten zur Entstehung von zwei großen Lagern kommen. Bipolarität wird durch dieses Konfliktszenario von Wohlforth daher als weniger stabil erachtet als die Unipolarität.[2]

In beiden Situationen versuchen alle Akteure zu ihren Gunsten eine Balance zu schaffen, bzw. Aufrecht zu erhalten, was entweder durch „harte” oder „weiche” Mittel erreicht werden kann.[3] „Harte” Mittel sind beispielsweise das Nutzen von Militär und Allianzen, „weiche” Mittel hingegen das Nutzen von Diplomatie und Internationalen Instituitionen.[4]

Welche Mittel genutzt werden oder warum ein Pol den anderen ausbalancieren will, ergibt sich laut Christopher Layne durch die Frage ob ein Staat gefährlich für die anderen ist. Dieses für den Neorealismus charakterisitsche Sicherheitsbedürfnis von internationalen Akteuren, kann entweder dazu führen dass (a) viele Staaten sich zusammenschließen um den einen großen Hegemon in seiner unipolaren Stellung zu entmachten oder (b) ein Pol sich gezwungen fühlt den anderen zu bekämpfen.

In einem multipolaren System tritt die beschriebene „balance of threat theory”[5] in anderer Form in Erscheinung. Hier kann bei mehreren starken Staaten allein durch die Frage nach der potenziellen Macht eines Akteurs, nicht entschieden werden wer eine Gefahr darstellt. Deswegen wird die Frage nach der Intention der anderen Mächte gestellt. Da die Zahl der am multipolaren System beteiligten Staaten von Wissenschaftlern als 3 oder mehr angenommen wird, können sich bei falscher Deutung der Intention, Allianzen oder Abkommen gegen den gefährlichen Staat bilden. Ein Beispiel für dieses Szenario sind die militärischen Maßnahmen gegen Nazi – Deutschland im zweiten Weltkrieg.

 

 

 


[1] Wohlforth, C. Williams: The Stability of a Unipolar world. International Security, Vol. 24, No. 1 (Summer, 1999), pp. 5-41.

[2] Wohlforth, C. Williams: The Stability of a Unipolar world. International Security, Vol. 24, No. 1 (Summer, 1999), pp. 5-41.

[3] Layne, Christopher: The Unipolar Illusion Revisited. International Security, Vol. 31, No. 2 (Fall 2006), pp. 7–41.

[4] Layne, Christopher: The Unipolar Illusion Revisited. International Security, Vol. 31, No. 2 (Fall 2006), pp. 7–41.

[5] Layne, Christopher: The Unipolar Illusion Revisited. International Security, Vol. 31, No. 2 (Fall 2006), pp. 7–41.

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